Rummelsbuger Bucht
Leben zwischen Freiheit und Regulation – Fotografische Portraits aus der Rummelsburger Bucht
Das fotografische Langzeitprojekt dokumentiert eine besondere urbane Gemeinschaft: Menschen, die sich für ein Leben auf dem Wasser in der Rummelsburger Bucht entschieden haben. Über zwölf Monate entstanden intime Portraits von Einzelpersonen und Familien, deren schwimmende Behausungen von Hausbooten über Segelboote bis zu Flößen reichen.
Die Fotoserie eröffnet den Blick auf einen Mikrokosmos im Wandel. Geschätzt 200 bis 250 Menschen haben hier ihr Zuhause gefunden – darunter Familien wie die Rohloffs, die auf 85 schaukelnden Quadratmetern mit drei Kindern leben, oder der „inoffizielle Bürgermeister“ Jan Ebel, der seit 13 Jahren die Entwicklungen der Bucht mitgestaltet. Die Portraits zeigen Menschen, deren Lebensentwürfe von Selbstbestimmung und dem Wunsch nach Alternativem geprägt sind.
Doch das dokumentierte Leben auf dem Wasser steht an einem Wendepunkt. Neue Verordnungen wie die seit Juni 2024 geltende Anwesenheitspflicht und das Ankerverbot außerhalb genehmigter Liegeplätze bedrohen diese Lebensform. Die Fotografien gewinnen dadurch eine zusätzliche Dimension als Zeitdokument einer möglicherweise verschwindenden Wohnform.
Die Bilder fangen die Ambivalenz dieses Lebensraums ein: Einerseits die erträumte Freiheit, manifestiert in selbstgestalteten Wohnräumen und atemberaubenden Ausblicken auf Sonnenauf- und -untergänge. Andererseits die Herausforderungen einer Gemeinschaft, die mit Problemen wie illegal entsorgtem Müll, versunkenen Schrottbooten und der Gentrifizierung des Wasserraums konfrontiert ist.
In einer Stadt, in der bezahlbarer Wohnraum zur Rarität wird, dokumentiert dieses Projekt nicht nur alternative Wohnformen, sondern auch den fortlaufenden Kampf um städtische Freiräume. Die Portraits erzählen von Menschen, die zwischen maritimer Romantik und urbaner Realität, zwischen Selbstbestimmung und zunehmender Regulierung ihren Platz behaupten – mitten in Berlin und doch irgendwie weit draußen.
